Higgs, Hype, Guttenberg

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Higgs, Hype, Guttenberg - Wie man aus Nichts ein Thema macht

Meinung: Erstaunliche Parallelen zeigen sich in jüngster Zeit zwischen Physik und Politik – genauer gesagt in der medialen Berichterstattung darüber. Seit Wochen ist zu Guttenberg ein immer wiederkehrendes Thema in der Presse. Und wenn der Freiherr nicht selbst in die Öffentlichkeit drängt, so tun die Medien ihr Übriges um das Thema KT in den Schlagzeilen zu halten. Die zahllosen Berichte schwellen an zu einer medialen Blase, über die man herrlich diskutieren und sich echauffieren kann.


Einen ähnlichen Hype erlebten wir gerade in der Teilchenphysik. Die öffentliche Wahrnehmung davon mag geringer sein als im Fall KT. Auch die Thematik ist höchst unterschiedlich, auch in ihrer substanziellen Bedeutung – hier ein strittiger Politiker, dort die Streitfrage, was die Welt im Innersten zusammenhält – und doch sind ähnliche mediale Mechanismen am Werk. Auch hier werden Themen hochgeschrieben, worüber sich wiederum trefflich streiten lässt. Und auch diese Meinungsäußerung ist natürlich Teil der medialen Rauschkulisse.

Seit das Forschungszentrum CERN vor ein paar Tagen zu einem Seminar über die jüngsten Ergebnissen der Suche nach dem Higgs-Boson eingeladen hatte, brodelte die Gerüchteküche: Haben die Physiker das flüchtige Teilchen endlich dingfest gemacht? Das CERN gab sich in seiner Einladung zurückhaltend, dort hieß es: "These results will be [...] sufficient to make significant progress in the search for the Higgs boson, but not enough to make any conclusive statement on the existence or non-existence of the Higgs." Kurz gefasst: Wir sind wohl dicht dran, aber noch ist uns das Higgs-Boson nicht ins Netz gegangen.

Bloßes understatement? In den Medien wurde vor Beginn des CERN-Seminars jedenfalls eifrig spekuliert: „Higgs oder nix?" „Physiker finden Hinweis auf ‚Gottesteilchen'" war dort unter anderem zu lesen.

Nun ist das CERN-Seminar vorüber. Fazit:

„A ‚definite maybe' in the search for the Higgs", twitterte das renommierte Science-Magazine. Kurzum: Das Higgs-Boson ist nicht nachgewiesen. Aber die Hinweise dafür, dass es existiert, verdichten sich.

Und (falls dies noch jemand bezweifelt haben sollte): Auch mit vermeintlich dröger Wissenschaft lässt sich viel Aufmerksamkeit erzeugen. Die Wissenschaftskommunikation ist längst in der medialen Wirklichkeit angekommen.

 

14. Dezember 2011